Verfasst von: siddler | Donnerstag, November 12, 2009

Laufen in Lissabon

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Praça do Marquês de Pombal in Lissabon - bei Sonnenaufgang kommt man hier noch als Läufer problemlos rüber

Manche Leute sammeln Briefmarken. Uhren sind auch ein begehrtes Sammlerobjekt. Und bei dickerem Geldbeutel gibt es natürlich Oldtimer, Yachten, Flugzeuge. Meine Sammelleidenschaft ist da vergleichsweise günstig: neue Laufstrecken auf meinem Garmin. Und so war es mir eine besondere Freude, dass es mich vorgestern nach Lissabon verschlagen hatte. Das Wetter ist übrigens dort noch traumhaft. Sonne, 20C tagsüber und immer noch satte 14C nachts. Ich will wieder Sommer. Oder zumindest Frühling. Heul.

Na ja, zurück zum Lauf.

Die Motivation, morgens um 600 aufzustehen, war ob der Aussicht auf Ergänzung meiner (noch wirklich ausbaufähigen) Sammlung entsprechend hoch. Und so quälte ich mich trotz vorabendlicher Spätbetätigung aus dem Bett (ja, ich bin zwar bekennendes Weichei, aber DAS kann ich ;-) ). Und dann ging es auf den Asphalt von Lissabon.

Nun, ich möchte mich nicht in langatmiger Läuferpoesie versuchen, aber es ist einfach herrlich einer Stadt beim Aufwachen zuzuschauen.
Und während es noch dunkel war, gehörten mir die Strassen noch vollständig allein. Nahezu keine Autos, Stille über den Dächern und nur vereinzelt ein paar Fußgänger zu sehen, die sich vermutlich verwundert gefragt haben, was der verrückte Ausländer da so früh auf den Straßen herumkeucht.

Und so freute ich mich über wirklich tolle Einblicke und -drücke entlang meiner spontanen Strecke. Mein Ziel war das Meer oder vielmehr das historische Zentrum am Wasser. Und während ich so lief, merkte ich in meiner Euphorie nur langsam, dass es beständig bergab ging. Und das bedeutete natürlich für meinen Rückweg unweigerlich eine leicht erhöhte Anstrengung.

Was mich zusätzlich beunruhigte: Der gesamte Lauf war recht knapp zeitlich kalkuliert. Und beim Blick auf meinen Garmin wurde mir langsam klar, dass der Rückweg (bergauf!) nicht viel langsamer vonstatten gehen sollte, als der Hinweg. Schließlich musste ich ja meinen Flieger erreichen. Und so wurde mein morgendlicher Ausflug auch noch zu einer echten Trainingseinheit. Und meine Maschine habe ich auch noch bekommen ;-)

Insgesamt wirklich schön. Die Jahreszeit scheint übrigens optimal zum Joggen. Nicht zu kalt, nicht zu warm, angenehmer Wind. Und was ich so tagsüber vom Verkehr gesehen habe, zeigte mir deutlich, dass man in Lissabon auf jeden Fall morgens laufen sollte. Der obige Praça do Marquês de Pombal ist jedenfalls nach 8:00 für Fußgänger nur schwer zu passieren ;-)

Happy Running!


Antworten

  1. Liest sich sehr gut, klingt nach Nachmachen oder besser Nachlaufen, in einer großen fremden Stadt am frühen Morgen, gefällt mir, das gleiche tat ich in Berlin, und ich fühlte wie du.

  2. Du hattest meinen vollen Neid! Es reizt mich eh schon andere Länder zu sehen, aber auch noch ein Stückchen laufend zu erkunden? Wow!

  3. Danke Danke. Ist aber auch schwer erarbeitet. Bin ja leider nicht nur zum Vergnügen da ;-)
    Einschränkend muss ich auch sagen, dass ich nicht richtig gut vorbereitet durch die Gegend laufe. Eigentlich müsste man sich sone Strecke vorher ausgucken (ungefähr zumindest) und dann ein bißchen was zu den Sehenswürdigkeiten parat haben.
    Das wäre mal ne neue Sportart: Kultur-Jogging ;-)

  4. Unglaublich und das nennt man Arbeit ;-)

    Gerade das „ziellos“ durch die Gegend schlappen hat seinen besonderen Reiz. Gerade in interessanten Städten.

    Hoffe Du konntest den Rotwein des Vorabends vollständig ausschwitzen ;-)

  5. Diese Massen von Autofahrern sind wirklich schlimm. Wie gut, dass es auf Langeoog keine gibt. Heute in Kiel bin ich auf dem Rad wegen der Radfahrer schon wieder fast an die Decke gesprungen …


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